Gerade komme ich von einem Treffen mit ein paar anderen Müttern. Dabei konnte jede von uns ein Stück weit ihr Herz ausschütten. Wir alle sind mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Kleine und große. Doch egal wie groß sie sind – vergleichen kann man sie sowieso nicht – jeder muss seine ganz eigene Herausforderung meistern.

Oft fühlt man sich den Nöten der Menschen gegenüber so hilflos. Doch das müssen wir nicht. Denn Gott hat uns in Seinem Wort alles gegeben, um ihnen zu begegnen. Du kennst diese Last auf dem Herzen, anderen eine Hilfe zu sein und ihnen mit biblischer Weisheit in ihren Sorgen, Nöten und Herausforderungen beizustehen?

Folgende Prinzipien können dir dabei helfen, ein offenes Ohr und Herz für die Menschen in deinem Umfeld zu haben, gemeinsam ihre Lasten zu tragen (vgl. Galater 6,2) und sie zu ermutigen, ihre Nöte auf Jesus zuwerfen und sich an ihn zu klammern.

  1. Gebet als Vorbereitung

    Manche Gespräche entstehen spontan aus der Situation heraus. Du merkst, es geht hier um eine schwierige Frage. Sende ein kurzes Stoßgebet nach oben und bitte Gott um Weisheit, dass du in Seinem Sinne darauf reagierst. Oder du hast dich mit einer Freundin verabredet und weißt, dass sie gerade einiges bedrückt. Dann bete erst recht vorher, dass du ihr ein offenes Ohr schenken kannst und so reagierst, dass sie neuen Mut bekommt und ihr Problem mit Gottes Augen sehen kann.

  2. Empathisches, ehrliches Zuhören und ausreden lassen

    Manche Menschen haben diese besondere Eigenschaft, dass man sich ihnen gegenüber gerne öffnet. Man merkt, dass sie ein ehrliches und aufrichtiges Interesse an einem haben. Sie hören wirklich zu und nehmen sich die Zeit, sich in deine Situation hineinzudenken. Das tut der Seele nicht nur wohl, es ist auch ein Zeichen von Liebe zum Nächsten und echter geistlicher Gemeinschaft. Die Gemeinde, aber auch wir innerhalb der Familie und Freunde untereinander, sollen solche Menschen sein, die mit einem ehrlichen, offenen Herzen die Not der Menschen im Blick haben.

    Denn daran soll jeder erkennen, dass ihr meine [Jesu] Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. (Johannes 13,35)

    Diese Liebe zeigt sich in der Tat, indem ich meinen Gesprächspartner höre und seine Lage versuche zu verstehen. Ihm echtes Mitgefühl entgegenbringe und nicht schnell zum nächsten Thema übergehe. Vielleicht denkst du manchmal, schon nach ein paar Sätzen das Problem verstanden zu haben. Aber vielleicht war es noch nicht das, worum es eigentlich geht. Vielleicht ist der erste Gedanken, den du dazu hast, nicht der richtige. Deshalb: Höre erst mal zu. Und bete erneut innerlich, dass Gott dir die richtigen Gedanken und Worte schenkt.

  3. Überlege, wer vor dir sitzt

    Nur Jesus schaut ins Herz deines Gesprächspartners. Aber überlege, ob diese Person den Anspruch hat, Gottes Wort in ihrem Leben ernst zu nehmen. Diesem Menschen kannst du von vorneherein mit biblischen Wahrheiten begegnen, weil du weißt, dass er diese als maßgeblich für sein Leben anerkennt. Er weiß, dass er Jesu Hilfe braucht und auch in allen Notlagen und Herausforderungen nach Gottes Willen suchen muss. Er weiß, dass er auch als Kind Gottes noch falsche Entscheidungen trifft und schlechte Gedanken und Taten in seinem Leben erkennbar sind. Er weiß aber auch, dass Jesus ihm vergeben hat und vergeben will und er Gottes Hilfe in Anspruch nehmen kann.

    Es kann auch sein, dass ein Mensch vor dir sitzt, der nicht an Jesus glaubt oder ihn bewusst ablehnt. Auch diesen Menschen können wir bezeugen, welche praktischen Hilfe uns Gottes Wort für die Herausforderungen unseres Lebens gibt. Darüber hinaus gilt es, diesen Menschen nicht nur praktische Lebenshilfe zu geben. Im letzten – zum richtigen Zeitpunkt – müssen wir zur großen Lebensfrage kommen und auf ihr Verhältnis zu Jesus und das Evangelium zu sprechen kommen.

  4. Das Problem in Bezug zur Bibel setzen

    Die Not des Nächsten kann uns oft mitnehmen. Und wir sollen unseren Glaubensgeschwistern in echtem Mitgefühl begegnen. Dabei bleiben wir aber nicht stehen. Manche Probleme entstehen aufgrund von falschen, unweisen Entscheidungen, die wir treffen. In anderen Herausforderungen stehen wir ohne eigenes Verschulden, wie es beispielsweise bei Hiob der Fall war. Bis zum Ende wusste er nichts von dem Gespräch zwischen Gott und dem Teufel und dass es ein Test des Teufels war, ob Hiob nur „in guten Zeiten“ an seinem Gott festhält. Ist Sünde der Grund, müssen wir dies jedoch auch benennen – nur so hat unser Gegenüber die Chance, es vor Gott in Ordnung zu bringen. Dabei dürfen wir jedoch auch nicht vorschnell urteilen.

    Fest steht, dass es unsere Aufgabe ist, die Herausforderung biblisch einzuordnen. Wo gibt es eine Stelle in der Schrift, die ganz ähnlich dazu ist? Welche allgemeingültigen Prinzipien des Neuen Testaments, der Lehrbriefe, passen dazu? Auch hier muss Gott uns Weisheit schenken, die Wahrheit unserem Gegenüber nicht wie einen kalten Waschlappen um die Ohren zu klatschen. Wir können uns jedoch darauf verlassen, dass Gottes Wort und seine Maßstäbe die Kraft haben, unser aller Leben zu verändern. Die Bibel hat zu jeder Lebenslage etwas zu sagen! Und sei es, welchen Sinn und Zweck Probleme und Herausforderungen in unserem Leben haben und wie wir damit umgehen sollen:

    Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung geratet, da ihr ja wisst, dass die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren bewirkt […]. Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie vor Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden. (Jakobus 1,2-3.5)

    Diese Stelle zeigt gleichzeitig, was die Folge ist, wenn wir unser Problem im Licht der Bibel sehen. Wir erinnern uns daran, dass ER versprochen hat, uns Weisheit für alle Lebensfragen zu schenken, wenn wir Ihn darum bitten. 

  5. Nicht das eigene Problem in den Fokus rücken

    Dies ist auch der Grund, warum wir auf die bedrückenden Fragen der Menschen um uns herum nicht nur mit menschlicher Weisheit und praktischen Tipps reagieren. Alleine Gottes Wort gibt die Antwort! Nun mag es meinem Gegenüber Mut machen, wenn es merkt, dass auch andere Menschen mit diesen Problemen zu kämpfen haben. Wenn ich jedoch als Reaktion auf eine Not, die mir geschildert wird, dem anderen meine eigene Not auflade, wird es schwierig. Deshalb lege den Fokus darauf, mit Gottes Weisheit darauf zu reagieren.

    Nichts spricht dagegen, wenn du ein Beispiel nennst, was dir oder anderen Menschen ganz praktisch in dieser Situation geholfen hat. Aber fange nicht an, deine eigenen Sorgen lang und breit auszuführen. Es wird zu einem anderen Zeitpunkt die Möglichkeit dazu geben.

  6. Gut durchdachte Antworten

    Es kann sein, dass dir manchmal auf die Schnelle keine passende Antwort einfällt, die die Bibel dazu gibt. Dann gib dies auch offen zu. Du kannst sagen, dass du darüber nachdenken und dafür beten wirst und ihr dann zu einem späteren Zeitpunkt eine durchdachte biblische Antwort auf ihre Frage geben. Dies ist allemal besser, als unüberlegt etwas zu sagen, nur um etwas gesagt zu haben, was du dann im Nachhinein lieber zurücknehmen würdest.

  7. Lege den Fokus auf ein Thema (oder: Nicht alle Hasen gleichzeitig schießen)

    Denn sonst werdet ihr euch im Gespräch verheddern und letztlich keine der brennenden Fragen realistisch angehen können. Es kann einen Menschen sehr entmutigen, wenn er an fünf Baustellen gleichzeitig arbeitet – jedoch dadurch an keiner Stelle wirklich vorankommt und es letztendlich vielleicht sogar grundsätzlich aufgibt. Deshalb nehmt euch zunächst einen Bereich vor, überlegt, was die Bibel dazu sagt und konzentriert euch darauf, wie ihr diese Erkenntnisse in nächster Zeit in die Tat umsetzen könnt.

    Sind erste Fortschritte erkennbar, kann nun das nächste Gebiet angegangen werden. Gott kann auch radikale Veränderung schenken! Aber unsere Verantwortung ist es, zunächst erste Schritte einzuleiten und unser Gegenüber nicht zu überfordern.

  8. Praktische Aufgabe bis zum nächsten Gespräch

    Dafür kann es deinem Gesprächspartner helfen, wenn ihr ein paar umsetzbare Schritte überlegt, die er in nächster Zeit angehen kann. Angenommen deine Freundin hadert damit, dass sie es einfach nicht schafft, regelmäßig Zeit mit Gottes Wort zu verbringen – und wir alle erleben in diesem Bereich Höhen und Tiefen – dann überlegt ganz konkret, zu welchem Zeitpunkt sie ihre Stille Zeit realistisch schaffen kann. Empfehle ihr ein passendes Arbeitsmaterial dazu. Vielleicht möchtet ihr auch verabreden, dass ihr euch jeden Tag einen Vers aus der stillen Zeit schickt, und in einer Woche darüber sprecht, ob es schon besser geklappt hat.

    Wichtige Voraussetzung für das Gelingen ist, dass du deine Zusagen einhältst. Wenn ihr verabredet, euch Verse zu schicken, musst du dich auch daran halten. Habt ihr euch für die Woche darauf verabredet, sollte es – so Gott will –  auch klappen. Dasselbe kannst du dann auch von deiner Gesprächspartnerin erwarten und sie auf ihre Zusage behaften („Es sei aber eure Rede: Ja, ja! Nein, nein! […]“ Matthäus 5,37).

  9. Grundsatzwissen: Die Schrift ist genug!

    Auch bei schweren Problemen und Fragen dürfen wir uns darauf verlassen! Die Bibel ist die letzte Instanz und nicht etwa eine psychologische Methode[SW1] [TK2] . Vielleicht bist du mit einem Problem konfrontiert, mit dem du dich selber noch nie auseinandergesetzt hast. Dann kannst du dir den Rat beispielsweise einer älteren Frau aus deiner Gemeinde oder von jemandem aus deiner Gemeindeleitung suchen. Und dennoch darfst du wissen, dass die Bibel grundsätzlich alles enthält, was wir für unser Leben wissen müssen. Sie stattet dich mit allem aus, was du benötigst, um der Not deines Nächsten zu begegnen. (Bei wirklich herausfordernden Themen spricht natürlich auch nichts dagegen, eine erfahrene Person hinzuzuziehen. Dies kannst du beispielsweise tun, indem du das Problem anonym schilderst oder deine Gesprächspartnerin um Erlaubnis dazu bittest).

  10. Kein Methodisieren

    Das bedeutet auch für die Vorgehensweise, dass wir unser Gegenüber nicht als einen „Problemfall“ betrachten, der in Schublade X gehört und bei dem man Schritt 1 bis 10 des Wiederherstellungsprogramms für mehr Heiligkeit im Leben durchführen muss (ein wenig überspitzt dargestellt).

    Unser Gesprächspartner ist eine Freundin, eine Glaubensschwester aus der Gemeinde, ein Mensch, den wir lieben oder ein Mensch, der uns schon viel Not bereitet hat. Vielleicht aber auch eine Nachbarin oder eine Frau, die wir gerade beim Einkaufen an der Kasse kennengelernt und mit der wir ins Gespräch gekommen sind. Es ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, der echte Zuwendung mit offenem Herzen – und vor allem Gottes Wort – braucht. Und den wir nicht einfach als „Fall“ abstempeln dürfen.

    Zu jedem Zeitpunkt müssen wir zugeben, dass, auch wenn wir in dieser Situation der Ratgeber sind, wir ebenfalls ein sündiger Mensch sind, der Fehler macht und Vergebung braucht. Keine Methode kann einen Menschen verändern! Aber Gott selbst kann das Herz erreichen. Schon diese Grundhaltung kann uns vor falschem Systematisieren bewahren.

  11. Jedes Gespräch kann Austausch und Seelsorge sein

    Die Bibel macht deutlich, dass Austausch, das Hinwenden zu Nöten und alles, was man als Seelsorge bezeichnet, eine Aufgabe ist, die Gott jedem Christen gibt. Seelsorge und biblische Weisheit weiterzugeben ist keine Spezialaufgabe oder besondere Gabe, die nur ein paar wenige dafür ausgebildete Menschen wahrnehmen sollen. Die Bibel gibt uns allen den Auftrag:

    „Darum ermahnt einander und ermutigt einer den anderen, wie ihr es auch tut! (1. Thessalonicher 5,11).

    Es ist klar, dass reife Christen dabei oft mehr Übung und mehr Lebenserfahrung haben. Außerdem gibt es auch Menschen, die Gott in besonderer Weise dafür ausstattet. Aber jeder Mensch erreicht andere Menschen. Wir alle sind Werkzeuge in Gottes Händen, die er in speziellen Situationen für spezielle Menschen auf besondere Art und Weise gebrauchen möchte.

    „Ich kann das nicht“ denkst du vielleicht. Doch die Bibel sagt, dass wir „… Sein [Gottes] Werk sind, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die er zuvor bereitet hat.“ (Epheser 2,10). Er kann auch dich gebrauchen. Willst du dich gebrauchen lassen?

  12. Das Ergebnis Gott überlassen

    Bei allen Bemühungen haben wir niemals das Recht darauf, am Ende einen „Erfolg“ unserer Bemühungen zu sehen. Gott gebraucht uns als Sprachrohr. Und was dabei herauskommt ist Seine Sache. Luther wird ein Zitat zugeschrieben, das in etwa Folgendes sagt: Wir kommen bei Menschen nur bis ins Ohr. Aber Gott muss das Herz erreichen.

    Echte Herzensveränderung ist nach außen hin nicht messbar. Natürlich wünschen wir uns, dass sich im Herzen des anderen etwas tut – es ist unsere Aufgabe Liebe, Gebete, Zeit und Herzblut da hinein zu investieren. Aber immer in dem Wissen, dass nur Gott selbst und keine Methode – am wenigsten wir durch unsere klugen Worte – eine langfristige Veränderung im Herzen des Nächsten bewirken können. Nur so werden wir die Kraft aufbringen können, uns auch trotz menschlicher Enttäuschungen anderen Menschen wieder zuzuwenden. Und es kann uns darüber hinaus auch gelassen machen, weil wir wissen, dass nicht wir etwas bewirken müssen. Sondern Gott souverän handelt und immer an Sein richtiges Ziel kommt!

    Darum:

    Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken. (Hebräer 10,24)

    Möge dies in unser aller Leben immer mehr sichtbar werden!

Bibelübersetzung: Schlachter Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft

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