„Je länger ich Christ bin, desto mehr merke ich, wie schwach ich bin. Ich kann nichts tun. Gott tut alles.“

So sagte es mir erst vor kurzem eine Frau, die gerade damit kämpfte, alleine eine Gruppe aufrechtzuerhalten. Alle anderen Mitarbeiter hatten sie im Stich gelassen und das gerade jetzt, wo so viele dem Glauben Fernstehende dazukamen. Eine Situation, in der man sich fragt: Warum, Herr? Doch während sie darüber sprach, wirkte sie nicht hoffnungslos, sondern ganz im Gegenteil, sehr hoffnungsvoll. Aus jedem Satz ging hervor, dass sie genau wusste, wer ihre Kraftquelle ist.

Oft geht es uns selbst ganz anders als dieser Frau. Genau genommen sind wir alle hoffnungslose Fälle. Nicht weil wir uns so fühlen oder selbstreflektiert einschätzen, sondern weil wir in der Bibel diese Diagnose für jeden Menschen finden. Von Natur aus sind wir hoffnungslose Fälle, weil die Sünde uns beherrschen will und allein Gott in Seiner Gnade bewirkt, dass wir auch gute Dinge hervorbringen können. Wir müssen dazu bereit sein, mit Hilfe des Heiligen Geistes Gottes Wort auf unser Leben anzuwenden, uns überführen und korrigieren zu lassen – sonst bleibt unsere Lage für immer hoffnungslos. Erstrecht wenn wir aus eigener Kraft versuchen, von nun an alles richtig zu machen.

 

Hoffnungslose Fälle in der Bibel

Lesen wir die Geschichten der Patriarchen und anderen Protagonisten der Bibel bekommen wir schnell den Eindruck, dass Gott Glaubensvorbilder mit starken Qualitäten ausgesucht hat. Im Vergleich dazu stehen wir selbst oft ganz schön dumm da. Doch auch die großen Glaubenshelden waren Menschen mit Ecken und Kanten:

·         Jakob, ein Betrüger und höchst eigenwillig: Er wurde zum Stammvater des Volkes Israel.

·         Josef, ein verhätschelter Lieblingssohn seines Vaters und später ägyptischer Sklave: Er wurde zum Retter seiner Familie und zur bestimmenden Persönlichkeit eines Weltreiches.

·         Mose, ein mit Blutschuld beladener Flüchtling und Hirte, der sich nicht für fähig hielt, Gottes Auftrag auszuführen: Er führte Israel aus der Gefangenschaft heraus und wurde zum größten Propheten des Alten Testaments. […]

·         Rahab, eine Prostituierte, die ein unmoralisches Leben in einer unmoralischen Umgebung führte: Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Einnahme des verheißenen Landes durch die Israeliten.

·         Hanna, eine wegen Unfruchtbarkeit kinderlose Ehefrau: Sie wurde die Mutter Samuels, der einer der großen Propheten und Führer Israels wurde.

·         Eli, ein Mann, der bei der Erziehung seiner eigenen Kinder kläglich versagte: Er wurde der geistliche Vater Samuels.

·         David, ein Hirtenjunge, der als Jüngster in der Familie wenig beachtet wurde, der später als König Ehebruch und einen Mord beging: Dennoch wurde er der größte König Israels und der Verfasser vieler Psalmen.

·         Ester, eine unbekannte Jüdin im babylonischen Exil: Sie wurde als Gattin des persischen Großkönigs zur Retterin ihres Volkes.“[1][SW1] [TK2] 

 

Trotz aller menschlichen Fehler – manch ein Zeitgenosse mag vielleicht auch die Leute aus dieser Liste als einen „hoffnungslosen Fall“ abgestempelt haben – gebrauchte Gott genau diese Menschen, um Großes zu bewirken! Weshalb wählt er genau sie dafür aus?

 

Warum wir manchmal erst hoffnungslos werden müssen

Wie oft schreiben wir uns selbst einen Erfolg zu. Die Gruppe, in der wir mitarbeiten, ist gewachsen. Wir haben auch wirklich viel Zeit investiert, um allen persönlich nachzugehen. Die Gemeindefreizeit verlief besonders gesegnet. Wir haben diesmal auch wirklich alles perfekt organisiert und langfristig vorbereitet… und dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen, wie schnell es geschieht, dass wir uns selbst auf die Schulter klopfen.

Unser Herr wünscht sich Hingabe und Treue von uns. Aber nicht erst ein sichtbarer Erfolg zeigt, ob wir auch hingegeben und treu waren. Schwerer wird es, wenn wir uns abmühen und der Erfolg ausbleibt. Die Gruppe, in die wir lange Jahre investiert haben, ist auf nur wenige unmotivierte Teilnehmer zusammengeschrumpft. Eine Freundin, mit der wir lange Jahre im intensiven Austausch waren, wendet sich gegen unsere Gemeinde und vielleicht auch gegen uns selbst. Machen wir dann trotzdem weiter?

Erst wenn wir (und andere) merken wie hilflos wir aus eigener Kraft sind und uns noch so sehr abmühen und dennoch scheitern. Erst wenn alle anderen Wege und menschliche Hilfsquellen ausgeschöpft sind und nicht mehr helfen können – erst dann strahlt Gottes Kraft und Allmacht umso mehr! Seine Ehre und nicht unsere Ehre können im Mittelpunkt stehen.

Ein Beispiel dafür sehen wir in 2. Mose als das Volk Israel vor dem Schilfmeer steht. Erst nach zehn Plagen und unzähligen Gesprächen, lässt der Pharao Mose und sein Volk überhaupt ziehen – damit sie dann vor dem Schilfmeer in der Sackkasse stecken, keinen Ausweg mehr sehen und die hinter ihnen herjagenden Ägypter im Nacken spüren. Wie reagiert das Volk? Sie bestürmen Mose: „Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten herausgeführt hast?“ (2. Mose 14,11b) Doch Mose weiß: Gott wird einen Ausweg schenken. Als alles ausweglos scheint, öffnet der Herr selbst den Weg durchs Schilfmeer. Es wird klar, dass ER den Ausweg schenkt – mitten aus der Bedrängnis, mitten aus der Not, in der kein Mensch mehr einen Ausweg kennt. Und wir lesen auch die Begründung dafür. Damit erkennbar wird, dass Gott die Lösung schenkt. Und genau das erkennt das Volk im Anschluss an die Rettung: „Da sah Israel die mächtige Hand, mit welcher der Herr an den Ägyptern gehandelt hatte; und das Volk fürchtete den Herrn, und sie glaubten an den Herrn […].“ (2. Mose 14,31)

Wie viel öfter sollten wir den Blick haben, dass uns die hoffnungslosen Momente unseres Lebens genau diese Erkenntnis offenbaren: Gott handelt! Er erweist sich als groß und schenkt Hoffnung und Rettung, wenn alle Hoffnung verloren scheint. In welcher hoffnungslosen Lage du auch gerade steckst – du darfst sicher sein: Gott kennt einen Ausweg!

Das zu erkennen und zuzugeben bringt uns darüber hinaus näher zu Gott. Es treibt uns ins Gebet und zeigt uns neu auf, wie abhängig wir von Ihm sind. Es macht uns frei von einem „falschen Erfolgsdruck“ oder der Frage, wie andere Menschen das finden, was wir tun. Auf Gottes Urteil über unser Leben kommt es an. Er sieht unser Herz, unsere Motivation. Er sieht, ob wir auf uns selbst oder auf Ihn vertrauen. Er weiß, ob wir unsere eigene Ehre oder Seine Ehre suchen.

 

Die Kraftquelle, um neue Hoffnung zu schöpfen

Wenn der Blick auf uns selbst nichts ausrichten kann, brauchen wir eine andere Kraftquelle. Die Antwort finden wir in Christus selbst. In ihm haben wir alles, was wir zum Leben brauchen – unabhängig davon, was wir bewirken oder auch nicht bewirken können. Mary Somerville schreibt dazu:

„Geht es dir ähnlich wie mir: Vergisst du die Reichtümer, die in Christus liegen? Und versinkst du im Selbstmitleid, in der Selbstrechtfertigung, im Selbst, Selbst, Selbst? Kämpfst du mit Enttäuschung? Möchtest du am liebsten aufgeben? (Mein Mann sagt, dass es ihm einmal die Woche so geht.) Drehen sich deine Gedanken um all die Probleme anstatt um das Ziel – Gottes Ehre?

Meine liebe Schwester, Christus ist die Antwort! Er ist vor allem und in ihm sind alle Dinge. Er ist der Oberhirte, der sie Sorge für seine Herde trägt. Er ist der Weinstock und du bist die Rebe. Bleibe eins mit ihm durch sein Wort. Bleibe eins mit ihm durch Gebet. […] Wenn du eins mit ihm bist, dann gibt es keine Niederlage.“[2][SW3] [TK4] 

Unzählige Male vergessen wir, dass dies das eigentliche Ziel unseres Lebens ist. Christus hat uns bereits alles gegeben. Er gibt uns die Kraft, um auch in hoffnungslosen Situationen nicht aufzugeben. Und die gute Nachricht ist: Diese Kraftquelle ist jederzeit verfügbar und völlig unabhängig von dem, was uns Sorge bereitet.

 

Was wir tun können, um neue Hoffnung zu schöpfen

Diese biblischen Prinzipien können uns eine Hilfe dabei sein, um in Zeiten der Not neue Hoffnung zu finden.

Schaue auf Christus: Neue Kraft in mutlosen Momenten finden wir nicht, indem wir tief in uns hineinhorchen. Wir brauchen Gottes Sicht der Dinge und müssen raus aus der Selbstumkreisung. Entmutigung ist eins der wichtigsten Mittel des Gegenspielers, um uns von unseren Aufgaben abzuhalten. Viele Beispiele in der Bibel zeigen, dass Mutlosigkeit zum Christenleben dazugehört. Jeder von uns kämpft damit. Wenn wir auf Jesus und Seine Wahrheiten blicken, kann Er uns neu aufrichten! So wie in den Psalmen geschrieben, dürfen auch wir uns an Gott klammern:

„Wenn mir auch Leib und Seele vergehen, so bleibt doch Gott ewiglich meines Herzens Fels und mein Teil […]. Mir ist die Nähe Gottes köstlich; ich habe Gott, den Herrn, zu meiner Zuflucht gemacht, um all deine Werke zu verkünden.“ (Psalm 73,26.28)

 

Prüfe deine Motivation: Manchmal ist Mutlosigkeit ein Zeichen dafür, dass wir aus falschen Motiven heraus handeln. Vielleicht wollen wir gesehen werden, Anerkennung bekommen oder erwarten, dass wo wir uns bemühen zumindest ein kleiner Fortschritt erkennbar sein muss. Doch dies sind falsche Überzeugungen. Gott erwartet keine Erfolge von uns, sondern Treue (vgl. 1.Korinther 4,2), die Seine Ehre zum Ziel hat.

 

Bete für Korrektur: Die Schwierigkeiten, denen wir in unserem Leben begegnen, haben ein Ziel. Wir dürfen von ihnen etwas lernen und gestärkt daraus hervorgehen. Also frage dich, was du lernen sollst und dann…

 

Fange neu an: Mache dir bewusst, dass ein Leben in der Nachfolge aus vielen neuen Anfängen besteht. Es kann uns vor viel Not bewahren wenn wir erkennen, dass wir die Richtung ändern und neu anfangen müssen – als dass wir aus Gewohnheit in den immer gleichen Fahrwassern bleiben.

 

Beginne mit Gebet: Bitte Gott um Seine Hilfe. Denke an Jesaja 40,29: „ER gibt den Müden Kraft und Stärke genug den Unvermögenden.“ Diese Kraft sollen wir erbitten.

 

Hüte dich vor falschem Leistungsdruck: Es ist unsere Aufgabe, unsere Energie, unser Geld, unsere Gedanken und materiellen Güter hingebungsvoll einzusetzen. Aber dabei geht es nicht ums und ein immer mehr Anhäufen von guten Taten. Als Gott die Erde erschuf, ruhte er am 7. Tag. Wieviel mehr haben wir es nötig. Auch wir brauchen eine Ausgewogenheit zwischen Arbeiten und Ruhen. Und mit ein bisschen Abstand sieht die Situation manchmal auch schon ganz anders aus.

 

Vielleicht warst du noch nie an dem Punkt, dass du dich selbst als „hoffnungsloser Fall“ betrachtet hast? Dann bete darum, dass Gott dein Herz demütig hält, sodass Er dich nicht erst in diese Lage versetzen muss, dass du erkennst, dass alles von Ihm kommt. Er will dich und mich gebrauchen, um sich auf dieser Erde zu verherrlichen. Trotz all unserer Ecken und Kanten kommt Er zum Ziel!

Leere Gefäße will Er mit Seiner Kraft füllen und uns dadurch fähig machen, Hoffnung in diese hoffnungslose Welt zu bringen. Denn es ist Seine Kraft, die in uns wirkt, um Seine Pläne zu verwirklichen und Ihn zu verherrlichen.

„Wenn jemand redet, so rede er es als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, so tue er es aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht wird durch Jesus Christus. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“ (1. Petrus 4,11)

 

 



[1] Aufstellung aus: Gott will mich (Donna Partow), CV 2021, S. 27 f.

[2] Aus: Von Herzen eins mit einem geistlichen Leiter (Mary Somerville), EBTC 2018, S. 59 f.


 

 

 

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