Einige Geschichten in der Bibel lassen mich und meine Kinder anfangs stirnrunzelnd und nachdenklich zurück. Da ist die Geschichte im dritten Buch Mose 10,1-3 über Aarons Söhne, die ein Brandopfer darbringen. Sie tun es ohne die Anordnung Gottes und werden vom heiligen Feuer verzehrt. Eine weitere Geschichte finden wir in 2. Samuel 6,1-9, als die Bundelade aus dem Philisterland auf einem Ochsenkarren zurück nach Israel gebracht wird. Die Ochsen gehen durch und die Bundeslade droht vom Wagen zu fallen. Ein Mann namens Usa verhindert, dass sie zu Boden fällt. Doch dieser Mann bekommt keinen Applaus, sondern er fällt tot um. Und lässt einen angsterfüllten David zurück, der nun erstmal davon absieht, die Bundeslade nach Jerusalem zu bringen und sie bis auf weiteres bei einem Leviten namens Obed-Edom unterstellt.

Im Alten Testament werden die Menschen oft davor gewarnt sich Gott in einem unangemessenen Zustand zu nähern (z.B. 2.Mose 19, 12.21) oder ohne Gottes Erlaubnis das Allerheiligste in der Stiftshütte und später im Tempel zu betreten, denn das führt in den sicheren Tod.

An denen die mir nahe sind, erweise ich mich als heilig

Elias machte einen Wettstreit in 2. Könige 18 mit den Baals Priestern, die damals die neue Staatsreligion in Israel vertraten. Elias Gebet wird erhört und Gott zeigt durch ein Wunder, dass Er der wahre Gott ist und Ihm allein die Ehre und Anbetung zusteht. Die Baalspriester werden geschlachtet, wie es in bestimmten Bibelübersetzungen beschrieben wird.

Was haben diese Geschichten gemeinsam?

Als ich die Geschichte von Elia und den Baalspriester den Kindern in der Kinderlehre erzähle und den Schwerpunkt auf Gottes Heiligkeit lege, also dass Ihm allein die Anbetung und Ehre zusteht, dass im Gesetz Mose die Todesstrafe auf Götzdienst stand und die Israeliten Gott allein dienen sollten, wird es meinem Schnupper-Mitarbeiter etwas unwohl. Doch da er auch etwas zu diesem Thema sagen will, versucht er Gottes Heiligkeit und Gericht über die Baalspriester kindgerecht zu erklären. Er sagt den Kindern, dass Gott, wie die Eltern der Kinder, manchmal streng sein muss, aber er tut es aus Liebe. Seine Aussage ist sicherlich richtig, wen Gott liebt, den züchtigt er.

Aber trifft das auch in dieser Situation zu? Hat Gott 450 Baalspriester schlachten lassen, weil Er zeigen wollte, wie lieb Er die Israeliten hatte? Oder war es vielmehr Gottes Heiligkeit, wie auch in den anderen Geschichten, neben der nichts, was in dieser Welt existiert, bestehen kann und darf? Die alleinige Anbetung und Ehre durch Seine Geschöpfe sind Gottes berechtigter Anspruch. Gott muss gar nichts. Er hätte sich nicht dazu herablassen müssen zu beweisen, dass Er Gott ist. Schlimm ist wie das Volk damals reagierte. In 1. Könige 18,24 lesen wir:.

Dann sollt ihr den Namen eures Gottes anrufen, ich aber werde den Namen des HERRN anrufen. Und der Gott, der mit Feuer antwortet, der ist Gott. Daraufhin sagte das ganze Volk: Das Wort ist gut!

Sie fanden es einen fairen und gerechten Wettstreit, anstatt auf die Knie zu fallen und zu bekennen das Jahweh der einzig wahre heilige Gott Israels ist.

Was ist Gottes Heiligkeit?

Mit solchen Geschichten haben wir, vor allem die Erwachsenen, Mühe. Wir verstehen Gott und Sein Handeln nicht. Das passt doch nicht zu einem liebenden, gnädigen, barmherzigen Gott, oder etwa schon?

Wir müssen zuerst Gottes Heiligkeit verstehen, damit wir Gott in diesen Geschichten verstehen. In unserer Zeit wird gern bei der Verkündigung oder in den vielen Büchern über Gott und Sein Wort der Schwerpunkt auf bestimmte Charaktereigenschaften Gottes gelegt wie Liebe, Liebe, Gnade, Barmherzigkeit, Güte, Treue und nochmals Liebe. Seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit werden weniger Beachtung beigemessen. Doch wenn ich mich nur mit den Lieblingseigenschaften Gottes beschäftige und andere, vielleicht auch bewusst, ausklammere, stehe ich in der Gefahr ein falsches Gottesbild zu bekommen.

Ein bekannter Theologe brachte es auf den Punkt, in dem er sagte: Die Bibel beschreibt Gott nicht als Liebe, Liebe, Liebe oder Gnade, Gnade, Gnade, sondern als heilig, heilig, heilig.

Wenn die Bibel von Gottes Heiligkeit spricht, beschreibt sie einmal seine moralische Perfektion, seine Reinheit, und zum anderen seine unermessliche Bedeutung, seine Größe und Andersartigkeit verglichen mit allen erschaffenen Dingen. Gottes Heiligkeit wird beschrieben als hoch überragend über die ganze Schöpfung. Seine Heiligkeit verkörpert beides seine Güte und Größe. Er ist allerheiligst in seinem ganzen Ratschluss, in all seinen Werken und in all seinen Geboten.

Gott ist die Heiligkeit in Person. In Jesaja singen die Serafim: Heilig, heilig, heilig (Jesaja 6,3). Diese dreifache Wiederholung ist der schriftliche Beleg, der auf den höchsten Grad der Heiligkeit hinweist. In diesem Fall erhöhen die Engel Gottes Heiligkeit zu dem höchstmöglichen Grad in Bezug auf seine Majestät und Größe.

Wenn Gott besonders im Zusammenhang mit seinem Volk Israel in der Bibel als eifersüchtig beschrieben wird, dann heißt das nicht, dass Er eifersüchtig auf Sein Volk oder einen Götzen ist und sich davor fürchtet, die Zuneigung seines Volkes zu verlieren oder mit einem Götzen teilen zu müssen. Vielmehr ist es ein Ausdruck, dass Er acht hat auf uns und vor allem auf seine Heiligkeit.

Sie erzürnten ihn mit ihren Kulthöhen, und mit ihren Götzen reizten sie ihn zur Eifersucht. Psalm 78,58

Wir haben mit Gottes Heiligkeit ein Problem, weil er heilig ist und wir nicht.

Dazu ist Er allgegenwärtig und allwissend. Wir können ihm nichts vormachen und uns nicht besser darstellen als wir sind. Gott ist uns durch seine Heiligkeit fremd, wirkt streng und unverständlich, weil Er so andersartig ist im Blick auf uns. Seine Heiligkeit ist nicht von dieser Welt und damit unbegreiflich und unfassbar für den menschlichen Verstand. Diese Andersartigkeit ist uns unheimlich, ja zum Teil abstoßend und sogar furchterregend …

Die Heiligkeit und Herrlichkeit Jesu

Vielleicht kommt uns der Gedanke, wenn wir das Alte Testament lesen und über solche Geschichten stolpern, dass es sich im Neuen Testament durch Jesu Menschwerdung anders verhält. Ja, Gott ist heilig und mag dadurch oft unverständlich, streng vielleicht auch unberechenbar in seinem Handeln bei uns rüberkommen. Er ist uns nicht so nah und vertraut wie Jesus. Jesus betrachten wir oft als Freund, Bruder, Vorbild, Gegenüber, denn eben gerade durch Seine Menschwerdung ist Er uns ähnlich. Wenn wir an Jesus denken, kommt uns das kleine Kind in der Futterkrippe in den Sinn, seine Liebe zu uns durch seinen Opfertod am Kreuz und wir haben seinen liebevollen und geduldigen Umgang vor Augen, vor allem mit den Schwachen, Bedürftigen und Ausgegrenzten. Das ist sicherlich nicht verkehrt, doch dabei blenden wir aus, wer und wo Jesus vor seiner Menschwerdung war. Der Gott, den Jesaja auf dem Thron in seiner ganzen Herrlichkeit sitzen sieht, dessen königliches Gewand den ganzen Tempel füllt, dem die Serafim heilig, heilig, heilig zurufen, ist Jesus. Johannes greift diese Szene in seinem Evangelium, Kapitel 12,41 auf: Jesaja sagte das, weil er die Herrlichkeit Jesu gesehen hatte; auf ihn bezogen sich seine Worte. Jesaja tut das einzig Richtige bei diesem Anblick, er ruft angsterfüllt:

Wehe mir, ich bin verloren! Denn ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen, und ich wohne in einem Volk mit unreinen Lippen, und meine Augen haben den HERRN der Heerscharen gesehen!

Die Heiligkeit des dreieinigen Gottes ist so furchteinflößend, entlarvend, aufdeckend, rein, gut, nicht von dieser Welt, wahrhaftig, göttlich, anders, dass Gottesmänner wie Jesaja, Mose, Paulus augenblicklich dachten sie würden sterben.

Kein sündiger Mensch hält es in Gottes Gegenwart aus. Ein Sünder stirbt in der Gegenwart Gottes. Gott hasst Sünde und Gottes Zorn über die Sünde lastet auf dem Sünder, denn sie steht für das totale Gegenteil seines Wesens, seiner Göttlichkeit, seiner Andersartigkeit und seiner Reinheit.

Ich bin mir sicher, wenn wir begreifen und uns mit der Heiligkeit Gottes beschäftigen, wirkt das wie ein Schlüssel, der uns Bereiche in unserem Glaubensleben neu erschließt. Das erste, was ich dadurch entdecke ist, wer Gott ist und folglich erkenne ich wer ich bin, meine Anbetung, meine Ehrfurcht, mein Denken, mein Unvermögen, mein Glaubensziel, meine Dankbarkeit, meine Rettung, mein Glaube – meine ganze Gottesbeziehung wird dadurch vertieft und verändert. Und mir wird klar, warum Gott Sünde hasst und Sünder bestrafen muss. Jesu Stellvertretertod am Kreuz, Sein sündloses Leben und seine Auferstehung werden mir unschätzbar wertvoll. Denn nur durch Ihn, gekleidet in seiner Gerechtigkeit kann und darf ich vor den heiligen Gott, der auf dem Thron sitz, treten. Ja, ich werde sogar ermutigt und aufgefordert hinzuzutreten in Hebräer 4,16:

Lasst uns also freimütig hintreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden und uns so geholfen werde zur rechten Zeit.

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