Oft wenn wir als Familie einen Ausflug machen, mit einer längeren Autofahrt, überbrücken wir die Zeit mit Spiele spielen, wie z. B. «Ich sehe was, was du nicht siehst» oder es wird ein Tier umschrieben, das dann erratet werden muss. Seid neusten stellen die Kinder uns so genannte Narrenfragen. Also Fragen, die man genau durchdenken sollte, bevor man antwortet, sonst könnte es sein, dass man ziemlich dumm dasteht.

Meine Tochter stellte mir so eine Frage: Mami, wenn du dir jetzt mal vorstellst, du bist meine Tochter, aber ich bin nicht deine Mutter, wer bin ich dann? Wenn man die Antwort weiss, ist es ganz einfach. Sie musste mir bestimmt 4-mal diese Frage stellen und ich habe hin und her überlegt. Wie kann es sein, dass ich ihre Tochter bin und sie ist aber nicht meine Mutter?

Ähnlicher als man denkt

Mutter und Tochter haben eine besondere Beziehung. Oft entdecke ich mich in meiner Tochter, wenn sie bestimmte Tätigkeiten nachgeht oder in dem was sie sagt. Sie ist oft mein kleines Sprachrohr. Alles, was ich eigentlich zu den Jungs sage, wiederholt sie früher oder später und meistens noch im selben Tonfall. Auch bei mir entdecke ich Eigenschaften, die ich schon bei meiner Mutter beobachtet habe und als Teenager auf gar keinen Fall mir aneignen wollte.

Die Eigenschaften, die eine Frau ausmachen, egal ob Ehefrau, Single, alt oder jung, mit Kindern, ohne Kinder, sind beziehungsorientiert. Wer als Frau schon mal an einem Frauenwochenende oder etwas Ähnlichen teilgenommen hat kann das bestimmt bestätigen. Die Frau wurde einzigartig von Gott dazu erschaffen, Gemeinschaft zu fördern, Mitgefühl zu verbreiten, zu unterstützen, zu helfen, und das nicht nur in der eigenen Familie, sondern auch in der Gemeinde. In der Familie Gottes begegnen geistliche Mütter ihren geistlichen Töchtern. Wir reden dann von einer sogenannten geistlichen Mutterschaft.

Was ist geistliche Mutterschaft? 

Von Geistlicher Mutterschaft ist die Rede, wenn eine gläubige Frau mit geistlicher Reife in eine fürsorgliche, stärkende und aufbauende Beziehung mit einer jüngeren Frau tritt.

Und von dieser geistlichen Mutterschaft schreibt Paulus in Titus 2, die Verse 1, 3-5:

Entsprechendes gilt für die älteren Frauen. Auch in ihrem Verhalten soll sich Gottes Heiligkeit spiegeln. Sie dürfen weder klatschsüchtig noch alkoholabhängig sein. Vielmehr sollen sie durch Lehre und Vorbild die jüngeren Frauen dazu anleiten, ihre Männer und ihre Kinder zu lieben, verantwortungsbewusst zu handeln und sich von jeder Verfehlung rein zu halten, sich um ihren Haushalt zu kümmern, freundlich zu sein und sich ihren Männern unterzuordnen. Denn die Botschaft Gottes soll nicht in Verruf geraten.

Einige Abschnitte in der Bibel klingen in unserer heutigen Zeit zu hart, ja befremdlich. Aber wir stellen fest, dass diese Worte der Lehre und des Verhaltens in Titus 2 unter dem Stichwort «gesunde Lehre» (Vers 1) aufgeführt wurden. Und da sich die gesunde Lehre seitdem nicht geändert hat, ist alles, was die Apostel damals gesagt haben, noch heute bindend und maßgebend für unser Leben.

Doch was können wir unter gesunder Lehre verstehen? Gesunde Lehre ist alles, was Jesus und die Apostel gelehrt haben. Lehre hilft uns auf dem richtigen Weg zu bleiben und gibt uns die Stabilität, die ausschlaggebend ist, für die geistliche Mutterschaft.

Doch warum schrieb Paulus diesen Brief an Titus?

Paulus‘ Briefe an Timotheus und Titus sind als pastoral Briefe bekannt. Sie wurden für junge Pastoren geschrieben, um sie zu unterstützen, ihre Gemeinden stark und gesund zu erhalten. Zu dieser Zeit brachten Irrlehrer ein Durcheinander in die Gemeinden und in die Familien. Deshalb wird Titus von Paulus angewiesen, die älteren Frauen zu ermahnen und zu ermutigen, die Jüngeren das Gute zu lehren.

Es handelte sich wahrscheinlich um Frauen ab 50 Jahren. Die Kinder sind aus dem Haus. Der Mann musste weiterhin für den Lebensunterhalt sorgen. Vielleicht konnten die Frauen in der kretischen Gemeinde nichts Sinnvolles mit ihrer Freizeit anfangen, da Paulus Titus aufträgt, die Frauen zu ermahnen.

Eine neue Art des Älterwerdens

Heute ist eher das Gegenteil der Fall. Langweilig wird es den Frauen in diesem Alter selten. Zeitlich gesehen, sind Frauen heutzutage, ziemlich eingespannt. Sie arbeiten schon längst wieder Vollzeit oder Teilzeit in ihrem Beruf oder anderen Jobs. Die Kinder sind früher selbständig. Nebenbei kümmern sie sich vielleicht noch regelmäßig um die Enkel.

Die Best Ager, wie sie im Marketing genannt werden, sind aktiv, konsumfreudig und kaufkräftig. Ihre Zeit ist ausgefüllt. Leider sind bei so einem aktiven Alltag kaum noch oder gar keine Kapazitäten mehr vorhanden, um einen Dienst in der Gemeinde zu tun. Doch diese Best Ager Frauen werden dringend in den Gemeinden gebraucht.

Vielleicht geht auch manch eine Frau davon aus, dass es im Pensionsalter an der Zeit ist, sich auch aus ihrem Dienst in der Gemeinde zurückziehen, um die Jungen ranzulassen. Doch gibt es im Reich Gottes ein Pensions- oder Rentenalter?

Wenn Mose mit 67 Jahren in Rente gegangen wäre, dann wäre das Volk Israel immer noch in Ägypten. Und wenn wir bei den Frauen bleiben, ich mein, Sarah bekam mit über 80 Jahren ihr erstes Kind… Ihr seht, die besten Jahre kommen bei den meisten noch.

Das ist Frauensache 

Ich will euch ältere Frauen ermutigen präsent und ansprechbar für die jungen Frauen in der Gemeinde zu sein. Eure Ratschläge, Ermutigung, Weisheiten, Erfahrungen und Ermahnung auf der Grundlage der Schrift und eures Glaubens werden gebraucht. Euer Dienst in der Gemeinde ist nicht wegzudenken.

Doch warum übernimmt Titus nicht selbst diese Aufgabe und lehrt diese jungen Frauen? Vielleicht ist unser Geschlecht entscheidend, wie diese Lehre ausgelebt und vermittelt wird. Kein Mann kann nachvollziehen, wie es ist eine Frau zu sein, mit Menstruationszyklus, einem Baby oder wie sich die Wechseljahre anfühlen. Vielleicht übernimmt Titus aus diesem Grund nicht selbst diese Aufgabe, sondern ermutigt die älteren Frauen, den Jungen ein Vorbild zu sein und sie zu lehren – also ihre geistliche Mutterschaft auszuüben.

Die Anforderungen an die Frau

Die Voraussetzungen für die älteren Frauen sind, nüchtern zu sein, keine falschen Anschuldigungen über andere zu verbreiten, in Massen zu trinken. Sie sollen Jesu Vorbild nacheifern.

Dann folgen sieben spezielle Anweisungen, in welchen Bereichen die älteren Frauen die jüngeren Frauen lehren sollen:

1.     ihre Männer lieben

2.     ihre Kinder lieben

3.     verantwortungsbewusst sein

4.     rein

5.     häuslich

6.     gütig

7.     sich ihren Männern unterordnen

Männer lieben

Warum ist die erste Anweisung, die die jungen Frauen lernen sollen, ihre Männer zu lieben? Kann man Liebe lehren und damit lernen? Ist Liebe nicht eine seltene, überwältigende und unkontrollierbare Macht? Das ist keine Liebe, wie sie die Bibel beschreibt.

Liebe ist: Ein Akt des Willens, begleitet von Gefühlen (nicht geleitet von Gefühlen, aber auch nicht ohne Gefühle), die in Aktion tritt im Auftrag des Objekts. Intuitive, emotionale Liebe, wie sie unsere Gesellschaft vermitteln will, ist nicht genug, um unsere Männer zu lieben, bis dass der Tod uns scheidet. Liebe, wie sie die Bibel beschreibt und lehrt, ist zuallererst ein Akt des Willens, eine Wahl, wir suchen uns aus, wen wir lieben. Und manchmal ist es mehr Wille als irgendetwas anderes. Ein Beispiel für biblische Liebe ist Jesus im Garten Gethsemane betend, vor Angst schwitzend. Es war sein Wille begleitet von Gefühlen… Es war uneigennützig, nicht zu seinem Vorteil. Es war für seine Braut. 

Wir Frauen haben die natürliche Neigung zur intuitiven, emotionalen Version der Liebe. Wir müssen gelehrt werden, wie wir diese Version von Liebe hinter uns lassen und zu der angemessenen Art der Liebe kommen können.

Ihre Kinder zu lieben

Es geht darum, dass eine Mutter ihr Kind als geliebt und als besonders wertvoll betrachtet. Und wer Kinder hat, weiß, dass das besonders schwerfällt nach einer durchwachten Nacht, nach einem Trotzanfall im Supermarkt oder nach endlosen Diskussionen über Computer- und Handyzeiten und schlechte Freunde. Vielleicht wird auch unser Blick auf unser Kind getrübt, weil es Mühe hat in der Schule, weil es vielleicht auffallend anders ist. Es fängt schon mit den Gedanken an. Egoistische und lieblose Gedanken müssen durch gute und liebevolle Gedanken ersetzt werden und das geschieht vor allem durch die Gnade Gottes.

Verantwortungsbewusst sein

Bedeutet gesund am Verstand, vernünftig, umsichtig, selbstbeherrscht. Der Realität ins Auge blickend.

In unserer Gesellschaft wird uns Frauen vorgegaukelt, alles ist möglich, alle Türen stehen uns offen. Mann, Kinder und Karriere; alles liegt drin. Aber wir müssen der Realität ins Auge sehen, bei diesem Versuch hat immer jemand das Nachsehen.

Sich rein halten

Steht für heilig, eine innere Freiheit von sündigen Gedanken, unschuldig.

Bei jungen Frauen beschränkt sich Reinheit nicht nur darauf, mit dem Sex bis zur Ehe zu warten. Wir sind immer zur Reinheit aufgerufen. Eine riesige Herausforderung in unserer Zeit auch für uns Frauen. Mit was oder wem verbringe ich die meiste Zeit? Welche Filme schau ich mir an? Mit was ich meinen Verstand füttere, das denke ich.

Häuslich sein oder sich um ihren Haushalt kümmern

Das griechische Wort dafür wird übersetzt mit: Zu Hause arbeitend, also quasi Homeoffice, was ja in unserer Zeit ganz aktuell ist.

Vor kurzem las ich einen Artikel von Buisnessinsider.de mit der Überschrift: „Die erfolgreichsten Kinder haben Eltern, die auf diese 9 Dinge Wert legen!“ Dann wurden einzelne Punkte aufgezählt und erklärt, wie z.B. zusammen Abendessen, nicht alle Hindernisse den Kindern aus dem Weg räumen, sie müssen mit Frust umgehen lernen. Ein Punkt lautete: „Mütter, die berufstätig sind, sind wichtige Vorbilder für ihre Töchter. Töchter von berufstätigen Müttern streben häufig selbst nach einer Karriere…“

Ich bin folglich nur ein wichtiges Vorbild, wenn ich berufstätig bin, sonst nicht? Obwohl ich dann die meiste Zeit eigentlich gar nicht zu Hause bin? Die einzige Lobby für uns Hausfrauen finden wir in der Bibel, vor allem in den Sprüchen 31. Als Frauen haben wir in erster Linie die Verantwortung uns um unsere Kinder und den Haushalt zu kümmern. Unsere erste Priorität gilt unserem Zuhause.

Es gibt keine Priorität, die die Rolle der Frau zu Hause ersetzt. Wir hören das nicht gerne, denn die feministische Bewegung sagt uns immer wieder, die Ehe ist ein Gefängnis. Kinder sind ein lästiges Anhängsel, ja Schmarotzer, die dich aussaugen und dich davon abhalten dich selbst zu verwirklichen. Frauen und Männer sind gleich in allen Bereichen. Aber sie reden nicht von Gleichheit in Wert und Geltung. Sie reden von Gleichmacherei.

Ich kann als Frau nicht alles haben. Aber was ich sicher will ist, den Segen Gottes für meine Familie von Generation zu Generation.

Gütig/ freundlich sein

Güte wird praktisch sichtbar, wenn jemand gute Werke mit Freude tut. Güte wird hörbar, durch freundliche und mitfühlende Worte.

Sich ihren Männern unterordnen

Ich nehme stark an, dass Unterordnung zum Unwort des Jahres, sogar in manchen Gemeinden und Kirchen gewählt werden würde, wenn es dazu ausgeschrieben wäre.

Gott hat für die Familie eine Ordnung festgelegt, damit dort nicht das Chaos herrscht, sondern Harmonie. Gott will, dass die Frau ihn dadurch verherrlicht, dass sie sich ihrem Mann biblisch unterordnet. Er will sie und die Kinder, durch die Führungsrolle des Mannes, beschützen.

Ich kann euch beruhigen, es ist völlig normal, dass wir Frauen ein Problem mit Unterordnung haben, sogar dann, wenn es um unsere eigenen Männer geht.

Wir Frauen lehnen uns von Natur aus auf gegen die Unterordnung als Folge des Sündenfalls. Wenn in 1. Mose 3,16 von dem Verlangen der Frau nach ihrem Mann die Rede ist, heißt das nicht, dass sich die Frau aus Liebe nach dem Mann verzehrt. Nein, sie begehrt seine Pool-Position, seine Führungsrolle, sie möchte das Zepter selbst in die Hand nehmen. Aber der Mann wird über sie herrschen. Seit diesem Fluchwort gibt es den Geschlechterkampf auch in christlichen Ehen.

Zum Sündenfall hinzukommt, dass bereits jahrhundertelang der Feminismus nicht nur außerhalb der Kirchen und Gemeinden, sondern bereits innerhalb der Kirchen gelehrt wird.

Und der Grund, warum die älteren Frauen die Jüngeren diese Anweisungen lehren sollen, kommt zum Schluss:

Das Wort Gottes soll nicht in Verruf geraten.

Die ältere Frau sollte die jüngere Frau dahin gehend beeinflussen, dass sie Frucht für Gott bringt und damit das Wort Gottes geehrt wird. Das angemessene Verhalten in diesen Versen ist die Frucht oder das natürliche Ergebnis des Glaubens und der gesunden Lehre.

In Titus 2 sind mehrere Wege erwähnt, durch die wir Frauen dem Wort Gottes Ehre bereiten können – indem wir unsere Männer und unsere Kinder lieben, verantwortungsbewusst, rein, häuslich, gütig in Wort und Tat sind und uns unserem Mann unterordnen, unabhängig davon, ob wir uns danach fühlen oder nicht.

Ein Fazit

Geistliche Mutterschaft gegründet auf Gottes Wort und in Abhängigkeit von Jesus Christus birgt einen großen Segen für Beziehungen, Familien und Gemeinden. Haltet Ausschau nach euren geistlichen Müttern und Töchtern in euren Gemeinden.

Ich bin dir noch eine Antwort schuldig auf die Frage meiner Tochter: Es ist der Vater

Ja, wenn man die Antwort weiß, dann ist es ganz einfach…

Bibelübersetzung: Neue Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen
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