Ist das eine besser als das andere oder ist es völlig Typ abhängig? Sitzend, stehend, drinnen, draußen? Sicherlich kennen wir alle Frauen, die von Gebetsspaziergängen begeistert sind. In der Natur und vor Gott zur Ruhe kommen. Eine Variante des Gebets, die für mich nicht möglich scheint. Denn meine Gedanken würden von dem, was ich sehe, ständig abgelenkt werden. Obschon wir aber so verschieden sind, gibt es Dinge, die für uns alle zählen. Wenn du dich also fragst, ob du deine Gebetszeit auch anders gestalten, und somit vielleicht auch verschönern kannst, ist dieser Artikel der richtige für dich.

Betet allezeit, nicht zu einer gewissen Zeit?

Die Bibel ruft uns zu ständigem Gebet auf. So sehen wir, wie Paulus an die Gläubigen in Thessalonich schreibt, sie sollen ohne Unterlass beten (1. Thessalonicher 5,17) und Jesus sagt in Lukas 18,1-8:

Er sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, dass man allezeit beten und nicht nachlassen sollte, und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam immer wieder zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage. Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er bei ihnen lange warten? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird, wird er dann Glauben finden auf Erden?

Wenn wir also ständig vor Gott kommen sollen, unseren Tag, unsere Sorgen und unseren Dank beständig mit Ihm teilen sollen, benötigen wir dann überhaupt noch eine abgekapselte Zeit, die wir als Gebetszeit festlegen? Unsere Anliegen durch den Tag hindurch vor Gott zu bringen ist wichtig, ein Privileg, zu dem wir auch aufgefordert werden. Immer wieder können wir die Zeiten zwischendurch nutzen, um vor unseren Vater zu kommen. Die Zeit an der Bushaltestelle, beim Kochen des Abendessens, während der Arbeit, dem Autofahren oder mitten in einem Gespräch, bevor wir antworten. Doch diese Gebete ersetzen nicht die Zeit, die wir uns nehmen, um uns bewusst zurückzuziehen und vor Gottes Thron zu verweilen. In der Bergpredigt sagt Jesus:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. (Matthäus 6,5-6)

Jesus lehrt uns, dass es nicht unser Fokus sein sollte, vor den anderen Menschen als besonders fromm zu gelten und mit unserem Glaubensleben angeben wollen. Stattdessen sollen wir den Glauben leben. Dass Jesus auffordert, in Zurückgezogenheit zu beten, zeigt uns jedoch auch, dass er voraussetzt, dass wir uns die Zeit fürs Gebet nehmen. Er selbst ist dafür unser bestes Vorbild. Immer wieder zog sich Jesus zurück, um Zeit alleine mit dem Vater zu verbringen. Auch wir haben diese Zeiten dringend nötig. Die Gründe dafür sind vielfältig. So lesen wir unter anderem:

  • „ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet.“ (Jakobus 4,2b) / „Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf dass der Vater verherrlicht werde im Sohn.“ (Johannes 14,13)
  • „Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet.“ (1. Petrus 3,12) / „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“ (Jakobus 5,16b)
  • „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7)
  • „Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.“ (Philipper 4,6-7)
  • „betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt.“ (Lukas 22,46b)
  • „Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“ (Kolosser 3,17)
  • „freimütig das Geheimnis des Evangeliums zu verkündigen“ (Epheser 6,19b).
  • „dass er Arbeiter in seine Ernte sende“ (Matthäus 9,38)

Kniend, stehend, liegend – spielt das wirklich eine Rolle?

In der Bibel lesen wir von verschiedenen Arten der Anbetung. Es sind jedoch nicht immer theologischen Lehrsätze, sondern meist Erzählungen von geschichtlichen Ereignissen wie in Nehemia 8,6:

Und Esra lobte den HERRN, den großen Gott. Und alles Volk antwortete mit erhobenen Händen »Amen! Amen!«, und sie neigten sich und beteten den HERRN an mit dem Antlitz zur Erde.

Dennoch wirft es bei manchem vielleicht die Frage auf, ob die in der Bibel beschriebenen Gebetsszenen wirklich gleichzusetzen sind, mit den zurückhaltenden, nüchternen Annäherungen, die wir teilweise an den Tag legen. Es ist nicht ganz unbedeutend wie wir beten. Denn es sagt sehr wohl einiges über unsere eigene Gesinnung aus. Vor kurzem hat sich ein Bekannter von mir bekehrt. Aufgeregt erzählte er mir davon, dass er nun dazu imstande sei, anders zu beten. Bis dahin habe er immer wieder erfolglos versucht, vor Gott auf die Knie zu fallen, doch in ihm sträubte sich alles.

Unsere Körperhaltung sagt viel über unsere Einstellung aus. Wir müssen nicht jedes Gebet mit ausgestreckten Armen oder auf den Knien sprechen. Aber sträubt sich in uns etwas dagegen, dann sollten wir genauer hinschauen und versuchen herauszufinden, woran das liegt. Auch als Kinder Gottes, nähern wir uns immer noch einem heiligen, allmächtigen Gott auf Seinem Thron. Obschon wir von Ihm geliebt und angenommen sind, so ist Er doch auch immer noch Gott und ein verzehrendes Feuer (Hebräer  12,28-29). Unsere Haltung Gott gegenüber kann unsere Ehrfurcht genauso wie unsere Freude widerspiegeln. Was sie jedoch niemals widerspiegeln sollte, ist Gleichgültigkeit.

Sich vor Gott zu demütigen bedeutet, zu kapitulieren. Ich habe mein Leben nicht im Griff und ich gebe es Ihm. Ich brauche Seine Hilfe, Seine Führung, Seinen Halt und Sein Tragen. Ich bin völlig abhängig von Gott. Jeder Atemzug ist eine stille Erinnerung daran. Aber Kapitulation führt zu Lobpreis. Denn derjenige, dem wir uns hingeben, ist derjenige, der würdig ist unserer Anbetung. Seine Souveränität ist unantastbar. In Weisheit hat Er alles geschaffen und in Seiner Allmacht hält Er alles zusammen und wird uns zum Ziel führen.

Im Bett oder doch lieber davor?

Für mich war das Bett noch nie eine Option. Zumindest nicht liegend darin. Viel zu groß ist die Chance, dass ich dabei wieder einschlafe. Und das ganz egal, ob am Morgen oder am Abend. Aber ich kenne Frauen, die ihre Stille Zeit am Morgen immer auf diese Weise machen und darin aufgehen. Keinesfalls würde ich behaupten, dass meine Zeit mit Gott tiefgründiger oder gesegneter ist als ihres. Aber ich weiß, was mir guttut in meinem Glaubensleben. Da ich aufstehen muss, bin ich lange Zeit vom Bett gerutscht (wortwörtlich) und verrichtete mein Gebet davor. Dann kam ich nach Beatenberg und mein Studentenzimmer war ausgerüstet mit einem alten Holzschemel. Er war perfekt! Ich stellte ihn vor die Wand (nicht zu viel Ablenkung vor mir), legte ein Kissen davor und meine Bibel und das Notizbuch darauf. Ich liebte diesen kleinen, speziellen Ort. Er war nur für meine Zeit mit Gott vorgesehen, für nichts anderes. Das half mir sehr dabei, mich auf Gott auszurichten und zur Ruhe zu kommen, wenn ich dort sass.

Als ich von Beatenberg wieder wegzog und meine eigene Wohnung einrichtete, kaufte ich mir keinen Hocker mehr. Nicht weil ich es nicht wollte, es kam mir schlichtweg nicht in den Sinn. Also verschob sich mein Gebet wieder zurück vors Bett und wurde damit auch ein Stück weit unruhiger. Es fiel mir wieder etwas schwerer mich zu konzentrieren, während sich meine Wange an die Matratze schmiegte und ich innerlich schon bereit war, hochzuklettern und die Decke über mich zu ziehen.

Im Kämmerlein

Wieder ein neues Kapitel in meinem Gebetsleben. Vor kurzem habe ich mich nämlich dazu entschlossen, dass ich mein Gebetsleben vertiefen möchte. Der einfachste Schritt dabei war der Ort. Ich wusste, dass es für mich durchaus eine Rolle spielte, wo ich betete, also wollte ich wieder einen Ort, der nur für das Gebet war und für nichts anderes. Meine Abstellkammer schien sich dafür perfekt zu eignen. Und was soll ich sagen: Ich liebe den neuen Ort!  Natürlich hätte es auch ein Hocker getan, aber da ich nun schon mal die Möglichkeit hatte, den Raum zu nutzen, tat ich es. Ich verräumte alles, was darin war anderweitig, entsorgte einige Dinge und richtete den Raum so ein, dass ich gerne darin bin (das Video dazu findest du am Ende des Beitrags).

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich weiss nicht, wie du momentan betest, aber falls du Mühe zu haben scheinst, dich zu konzentrieren, deine Gedanken auf Gott auszurichten oder die Gebetszeit immer wieder vergessen geht, dann überleg dir, was du ändern könntest. Der Ort des Gebets ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Mehr Inputs und Tipps zum Thema Gebet erhältst du in der Community. Dort wird uns das Motto „THRIVE“ durch das ganze Jahr begleiten und die ersten drei Monate widmen sich dem Thema Gebet.

Wie betest du und was hilft dir dabei? Lass es uns wissen in den Kommentaren.

Ein (kleiner) Nachtrag:

Ein Gebetsraum ist keine Zauberkammer. Du wirst dich also immer noch bewusst dazu entschließen müssen, Zeit mit Gott zu verbringen und es werden nicht plötzlich sämtliche Anfechtungen verschwunden sein. Sicherlich hat Gott mir auch dadurch geholfen, dass ich bereits zuvor einen festen Rhythmus fürs Gebet hatte und Morgen- und Abendgebet zu meinem Alltag mit Gott gehören (auch wenn dieser Gebetszeiten nicht immer auf demselben Niveau war, wie anfänglich beschrieben). 

Doch auch wenn mit einem Gebetsraum nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt sind, so kann ich doch eine sichtbare Veränderung in meinem Gebetsleben wahrnehmen. Dadurch, dass meine Gedanken besser zur Ruhe komme, kann ich mich besser auf das Gebet einlassen, genieße die Zeit mehr und verbringe mehr Zeit darin. 

Das ist der Weg, den ich gerade gehe. Vielleicht benötigst du keinen Raum, sondern ein Kissen vor deinem Bett oder Sessel, vielleicht brauchst du eine feste Uhrzeit oder eine Routine, die du dir angewöhnen kannst. Versuche verschiedene Dinge aus, doch in all dem lass dich nicht täuschen; das Gebet kann und darf anstrengend sein. Nicht das Teilen unseres Alltags, das Loben und Preisen, aber das Ausharren im Gebet. Es kann zermürbend sein, wenn wir vor Gott flehen und für unsere Familien, unsere Geschwister und Ungläubige im Gebet einstehen. Manchmal kostet es uns Kraft und wir müssen dort im Vertrauen verharren und Gottes Sprechen und Wirken erwarten. So wie die Witwe vor dem Richter, sollen wir unsere Anliegen bringen und nicht entmutigt abziehen, wenn wir lange keine Antwort erhalten (Lukas 18). Wir wollen beständig Gottes Angesicht suchen und unsere Kämpfe auf den Knien führen – bis Er eingreift. Auch diese Art des Gebets gehört zu unserem Glaubensleben und ist wichtig. 

Bibelübersetzung: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart