Sie aber sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes so oft und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer; die Deinigen aber essen und trinken? Und er sprach zu ihnen: Könnt ihr die Hochzeitsgäste etwa fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird; dann werden sie fasten in jenen Tagen. (Lukas 5,33-35)

Sollen Christen heute noch fasten? Sollten wir die 40 Tage vor Ostern fasten? Kann man Social Media fasten und dürfen wir überhaupt darüber sprechen, wenn wir fasten? Wie auch die Pharisäer stehen wir Christen in der Gefahr, dass wir in die Gesetzlichkeit rutschen, daher lohnt es sich, einen genaueren Blick auf dieses Thema zu werfen.    

Warum brachen die Reformatoren das Fasten?

Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. (Matthäus 40,2)

In der Römisch-katholischen Kirche war es nicht nur gebräuchlich, sondern in früheren Zeiten sogar ein Gebot der Kirche, dass während der Passionszeit, den 40 Tagen vor Ostern, auf Fleisch verzichtet werden musste und lediglich eine Mahlzeit pro Tag eingenommen werden durfte. Ausgenommen waren die Sonntage. Auch heute noch sollen Gebet, Fasten und Verzicht sowie Freigebigkeit und Fürsorge diese Tage im Leben eines Katholiken bestimmen. Was war also das Problem? Nicht das Fasten an sich wurde infrage gestellt, sondern die Bedeutung, die es einnahm. Wir können uns mit Fasten bei Gott nichts verdienen oder abbezahlen. Gott erhört unsere Gebete, vergibt unsere Schuld und segnet uns allein aus Gnade durch Jesus Christus. 

In Zürich kam es 1522 zum bekannten Wurstessen in Hause eines Buchdruckers, wo auch Zwingli anwesend war. Sobald die Öffentlichkeit davon erfuhr, wurde vom Zürcher Rat eine Untersuchung über das Fastenbrechen angeordnet. Obschon Zwingli an dem besagten Wurstessen nicht teilgenommen hat, nahm er in einer Predigt Stellung dazu. Darin bekräftigte er, dass Christen frei von menschlichen Geboten und Ordnungen seien und diesen nicht unbedingt Gehorsam leisten müssen. Allerdings ist es Christen freigestellt, ob sie von dieser Freiheit Gebrauch machen wollen oder nicht.

„Ihr Glaube an Gott war nicht mehr so stark, dass sie auf ihn allein vertrauten und ihre Hoffnung auf ihn allein setzten, allein auf sein Gebot und seinen Willen hörten. Töricht begannen sie wiederum, dem Diktat der Menschen zu folgten. Gleich als ob Gott etwas versäumt habe, das nun zu ergänzen und zu verbessern sei, reden sie sich ein: an diesem Tag, in diesem Monat, zu dieser und jener Zeit darfst du dies und das nicht tun.

Macht man sich selber aber daraus ein Gebot und redet sich ein, man sündige, wenn man es nicht einhält, dann heißt dies, das Gewissen brandmarken und beschmutzen, und Verführung zu wahrer Abgötterei.“

Wie sollen wir trotzdem fasten?

Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. (Matthäus 6,17-18)

Das Fasten muss nicht an eine bestimme Zeit im Jahr gebunden sein, aber wir sind frei, jederzeit zu fasten. Auch vor Ostern. Für Martin Luther sollte beim Fasten während der Passionszeit die Erinnerung an die Leiden von Jesus Christus im Zentrum stehen. Zu anderen Zeiten mag der Fokus mehr auf den persönlichen Gebetsanliegen stehen. Etwa die Bitte, dass bestimmte Menschen in unserem Leben zum Glauben kommen oder die Fürbitte für den Ehepartner. Charles Spurgeon sagte: „Unsere Fasten- und Gebetszeiten sind in der Tat große Tage. Nie steht des Himmels Tor weiter offen; nie sind unsere Herzen der Herrlichkeit näher als dann.“ 

Es gibt allerdings einige Dinge, die uns dabei im Weg stehen können und die nicht der Grund für unser Fasten sein sollen.

  1. Wir glauben, dass wir damit Gottes Wirken und eine Gebetserhörung erzwingen können
  2. Wir glauben, dass unser Fasten zu unserer Erlösung beiträgt  
  3. Wir wollen unsere Geistlichkeit zur Schau stellen
  4. Unsere Gebetsanliegen sind weltlich

Fasten sollte Gott im Zentrum haben und ein biblisches Ziel. Durch das Fasten kann die eigene Gebetszeit intensiviert werden, wir können uns auf Gott ausrichten und uns bewusst mehr Zeit für das Gebet nehmen. Jedes Mal, wenn dein Magen knurrt, ist das unter anderem eine gute Erinnerung daran, dass du am Fasten bist und du jetzt für dein Anliegen beten kannst.

Das Fasten zeigt uns unsere eigene Ernsthaftigkeit auf. Wofür sind wir bereit, im Gebet zu ringen und zu fasten? Außerdem ist es ein Akt des Loslassens und Dinge, von denen wir meinen abhängig zu sein und die uns teilweise fest im Griff zu haben scheinen, aufzugeben. Stattdessen richten wir unseren Blick auf Gott. Nur von Ihm sind wir schlussendlich ganz und gar abhängig.

Für diese Art des Fastens musst du nicht immer auf alle Mahlzeiten verzichten. Du kannst dir auch vornehmen, dass du für eine gewisse Dauer nur eine Mahlzeit pro Tag essen willst oder du auf bestimmte Lebensmittel verzichten möchtest. Gerade bei gesundheitlich angeschlagenen Menschen kann dies eine gute Alternative sein. Schließlich soll dir das Fasten körperlich nicht schaden. Verzichtet man mehrere Tage auf Essen, kann zudem eine vorherige ärztliche Abklärung von Vorteil sein.

Kann jeder Verzicht ein Fasten sein?

Bevor du die Nase rümpfst und sagst, dass Internet- oder Social-Media-Fasten kein richtiges Fasten ist, hier einige Fakten, die dagegen sprechen:

  • Viele Menschen entwickeln eine regelrechte Sucht zu Social Media und machen ihren Tag davon abhängig
  • Wer darauf verzichtet, hat mehr Zeit für das Gebet
  • Eine Pause kann dabei helfen, innerlich zur Ruhe zu kommen und sich auf das Gebet zu konzentrieren
  • Die Gesinnung, wie wir fasten, ist schlussendlich wichtiger als was wir fasten.

Sprechen wir jedoch von einem biblischen Fasten, darf uns auch bewusst sein, dass das jüdische Verständnis tatsächlich den Verzicht von Essen damit meint. Wir sollten diese Art des Fastens also nicht gänzlich ignorieren.  Doch egal ob Essen, Medien oder Alkohol, fasten kann uns auf unsere falschen Verhaltensweisen aufmerksam machen. Wenn wir nämlich unsere Schmerzen und unsere Unzufriedenheit mit essen, Social Media oder anderen Dingen behandeln, statt damit vor Gott zu kommen. 

Ein Fasten, das Gott gefällt

Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. Meint ihr, dass mir ein solches Fasten gefällt, wenn der Mensch sich selbst einen Tag lang quält und seinen Kopf hängen lässt wie ein Schilfhalm und sich in Sacktuch und Asche bettet? Willst du das ein Fasten nennen und einen dem HERRN wohlgefälligen Tag? Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! (Jesaja 58,4-6)

Der Prophet Jesaja bringt zum Ausdruck, dass wir Gott mit unserem Fasten nichts vormachen können. Er ist nicht beeindruckt von unserem Verzicht, sondern sieht unser Motiv und Herz dahinter. Wenn wir Gott im Gebet und Fasten wahrhaftig suchen, zeichnet sich das auch in unserem Leben ab. Wir sehen es in unseren Taten, aber auch in unseren Wünschen. Daher wollen wir dazu bereit sein, nach Gottes Willen zu fragen und unsere Anliegen davon leiten zu lassen.

Denke für dich in Ruhe über das Gebet und das Fasten nach. Gibt es ein Anliegen, wofür du gezielt fasten möchtest? 

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