Da ich mich nun in der Halbzeit befinde, wird es Zeit Bilanz zu schlagen. Ein kurzer Blick auf mein Leben hat gezeigt, dass ich nicht einmal annähernd dort bin, wo ich vor 10 Jahren noch dachte, dass ich sein würde. Warum das trotzdem nicht schlecht ist, liegt auf der Hand. Aber nur so zum Spaß, lasst uns die Gründe hier erörtern.

1. Ich bin bereit Risiken einzugehen – aber durchaus durchdachter als in meinen Zwanzigern

Die Zeiten, in denen ich alleine mit wildfremden Menschen durch den Urwald im Kongo fuhr oder die Geschwindigkeitsgrenzen beim Quad fahren in der Wüste austestete, sind vorbei. Jetzt blogge ich, starte ein Netzwerk und schreibe ein Buch. Auch ein kleines Risiko, schließlich wage ich mich damit in die große weite Welt und kann plötzlich von allen gesehen werden, aber wenigstens hängt mein Leben nicht gleich davon ab.

2. Ich weiß, dass das Leben nicht so läuft wie geplant

Das bedeutet natürlich nicht, dass ich nicht mehr enttäuscht werden kann. Aber mir ist inzwischen bewusster, dass die Dinge, trotz angestrengter und peinlichst genauer Planung, eigentlich immer etwas anders ablaufen, als ich mir das vorgestellt hätte. Der Grund, weshalb ich das nicht mehr ganz so schlimm finde, ist einfach. Ich weiß, dass Gott die Welt in der Hand hält und nicht ich. Wenn ich mich also gerade über etwas Unvorhergesehenes ärgere, erinnert mich Gott oft daran, dass mein eigentlicher Frust eine andere Wurzel hat. Nicht ich, sondern er sitzt auf dem Thron. Das mag sich manchmal befremdlich anfühlen, aber wenn ich bereit bin, mich für Gottes Wahrheit zu öffnen, erkenne ich, welche beruhigende Sicherheit und Erleichterung darin liegt. Schließlich weiß Gott, was er tut. Er kennt mich, hat ein Ziel mit mir (mein Bestes zu seiner Verherrlichung und Ehre) und weiß, wie er dieses erreicht. Unter diesem Gesichtspunkt ist es einfacher, die Zügel aus der Hand zu geben. Sogar, wenn sie streng genommen gar nie in meinen Händen waren.   
„Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.“ (Sprüche 16,9)

3. Ich vertraue darauf, dass Gott Gutes in mich gelegt hat, mich gebrauchen möchte und ich ein Teil von etwas Größerem bin

Nein, die Zeiten der Selbstzweifel sind noch nicht ganz hinter mir. Aber dennoch fällt es mir heute leichter als vor zehn Jahren. Denn meinen Wert suche ich nicht mehr in mir selbst (es ist enorm anstrengend, sich immer wieder sich selbst beweisen zu müssen). Ich weiß, Gott gibt mir meinen Wert. Denn ich bin geschaffen im Ebenbild Gottes, zu seiner Verherrlichung. Geliebt und angenommen als Kind Gottes durch Jesus Christus. Gott selbst wirkt in mir. Wenn ich also jede Tätigkeit schlechtrede und mir nichts zutraue, mache ich nicht nur mich klein, sondern auch Gott.  Ich werde die Dinge immer noch nicht perfekt machen können, aber zu behaupten, dass ich gar nichts kann, wäre schlichtweg nicht korrekt. 

4. Ich kenne mich inzwischen selbst besser

Das bedeutet, dass ich nicht mehr alles ausprobieren muss und besser weiß, was mir guttut und was nicht. Ich habe gelernt auf mich zu hören. Weiß wie viel Zeit ich in der Woche oder am Tag alleine brauche, in welchen Situationen ich mich unwohl fühle und wo es gut ist, mich zu überwinden. Ich habe gelernt, dass mein Herz es nicht immer gut mit mir meint, Gott aber sehr wohl, ich weiß, dass ich anfällig für Lügen bin, die ich glauben möchte und dass Gottes Wahrheit mich befreit und ein Licht auf meinem Weg ist. 
„Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun, nach den Früchten seiner Werke.“
(Jeremia 17,9-10)

5. Ich muss nicht mehr auf Partys, sondern kann zu Hause bleiben

Was ich früher niemals zugegeben hätte, kann ich jetzt ganz klar sagen: Ich gehe nicht gerne in Clubs, mag keine Bars und eigentlich möchte ich spätestens um 20.00 Uhr zu Hause sein (auch wenn ich danach noch mindestens vier Stunden wach bin). Inzwischen verlangt aber auch niemand mehr von mir, dass ich mitkomme und das finde ich einfach nur großartig. Ich genieße die Zeit auf meinem Sofa, schau mir schnulzige Filme an, genieße mein Lieblingsessen oder tippe wie wild auf meiner Tastatur. Besuch ist jederzeit willkommen. Am liebsten solcher, bei dem ich meine Jogginghose anbehalten kann. 

6. Selbständig und vernünftig sein

Zu meinem 35. Geburtstag erhielt ich eine Kaffeemaschine geschenkt und ich muss zugeben – ich fühl mich gleich ein Stückchen erwachsener damit. Nicht, dass ich erst jetzt mit Kaffeetrinken angefangen hätte, aber eine vollständige Küchenausrüstung zu haben war ein kleiner Meilenstein (mein Erster war der Mixer, den ich geschenkt bekam, als ich meine erste eigene Wohnung hatte). Es sind die kleinen Dinge im Leben. 

7. Erwachsenen Gespräche zu führen – sogar mit den Eltern

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als der Wechsel geschah und meine Eltern plötzlich anfingen mit mir auf Augenhöhe zu sprechen. Die Beziehungen in unserem Leben verändern sich ständig, aber die Beziehung zu den Eltern ist eine ganz besondere. Plötzlich beginnen Kinder die Fehler der Eltern zu sehen und ihre Kindheit zu analysieren. Ich spreche nicht von der Teenagerzeit, in der einfach alles doof war, sondern vom Erwachsenenleben. Wenn wir zurückblicken und ihre Entscheidungen hinterfragen. Das Schöne ist, dass eine gesunde Beziehung so etwas aushält und etwa zur gleichen Zeit, als ich reflektierter unsere Beziehung betrachtete, bemerkte ich, dass auch sie anders mit mir umgingen. Die Veränderung war durchaus herausfordernd und gewöhnungsbedürftig. Diejenigen, die dich erzogen und ein Leben lang für dich sorgten, besprechen plötzlich ihre Sorgen mit dir. Sind bereit auf deinen Rat zu hören. Noch heute fühle ich mich dabei manchmal wie ein kleines Kind, dem man erlaubt ausnahmsweise länger aufzubleiben. Was für ein besonderer Moment.  

8. Im Glauben gewachsen

Mit jedem Jahr, indem ich mit Gott unterwegs bin, darf ich mehr und mehr erleben, wie Gott in mir wirkt und mich verändert. Ja, der Weg vor mir ist noch ein weiter, aber wenn ich zurückblicke auf die letzten Jahre, sehe ich seine Kraft und sein Wirken. Mein Vertrauen ist stärker geworden, ich kenne sein Wort besser, aber vor allem liebe ich ihn mehr. Und das hat Auswirkungen auf mein ganzes Leben. Auf meinen Gehorsam ihm gegenüber, auf meine Freude im Leben und meine Dankbarkeit. Je mehr ich Gott kenne, je mehr ich seine Liebe und Gnade zu mir erkenne, desto mehr liebe ich ihn und ich freue mich darüber, dass diese Liebe immer noch wächst. 
„Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
(1. Johannes 4,16)

9. „Erwachsen sein“ ist auch bloß ein Ausdruck

Ja, ich bin reifer, als ich es mit 20 war. Aber dieser magische Moment, in dem ich mich plötzlich wie eine Erwachsene fühlte, traf irgendwie nie ein. Nicht bei meinem ersten Lohn, nicht mit 18, nicht bei meinem Auszug. Dann dachte ich, dass 30 der Moment sei, indem ich mich selbst und auch andere mich als erwachsen ansahen. Aber der Geburtstag kam und ging und irgendwie veränderte sich nichts. Frauen, die mehr als 10 Jahre älter sind als ich, sehen mich immer noch fast als Kind an (das verraten sie nicht nur mit der erstaunten Frage darüber, wie ich Frauenarbeit machen könnte) und ich selbst vermisse auch immer noch dieses Gefühl von jetzt-habt-ich-mein-Leben-unter-Kontrolle. Denn aus irgendeinem Grund verband ich erwachsen sein immer damit. Doch der Punkt wird wohl nie eintreten. (Das liegt wohl daran, dass ich mein Leben tatsächlich nicht unter Kontrolle hab, sondern Gott es ist, der es in seiner Hand hält.)

10. Ich habe Gottes Wirken erlebt

Damit meine ich nicht, dass ich vor 5 Jahren Gottes Wirken noch nicht erlebt habe, aber jedes Jahr lässt den Schatz der Erfahrung ein Stück größer werden. Bis jetzt durfte ich Gottes Eingreifen und Führen erleben. Ich habe gesehen, wie Gott Wunder wirkt, durfte erleben, wie er mich konkret in meinem Leben führte und gebrauchte. Kaum vorzustellen, was Gott noch alles tun wird. Ich weiß aus Gottes Wort, dass er allmächtig, gnädig und barmherzig ist und ich habe all diese Dinge auch in meinem Leben erlebt. Jeder Tag gibt mir die Möglichkeit ihn dafür zu loben und zu preisen. Gott ist gut – jederzeit!
Ps 34,9: „Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!“

11. Bonus-Punkt

„Ich bekomme keine grauen Haare, ich kriege Strähnen der Weisheit.“ – Unknown
„Das graue Haar ist eine prächtige Krone, auf dem Weg der Gerechtigkeit findet man sie.“ (Sprüche 16,31)

 

Das waren meine zehn Gründe, aber ich weiß, dass sich diese wohl bei jeder Frau unterscheiden. Was sind deine Gründe, weshalb du dein Alter genießt?

Bibelübersetzung: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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